Günter Brus

* 1938 in Ardning, A








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„Kaspar Hauser„
Leinenkassette mit
10- teiliger Bild-Dichtung, Strichradierung und Lithografie
mit Einspinner Burgis Paier und Günter Brus
signiert, datiert und nummeriert
Auflage 30 
Herausgeber: Galerie Kunst & Handel
2008
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Günter Brus
"Das uferlose Uferlose"
Mischtechnik auf Papier, 1974
79 x 57 cm
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Günter Brus
Grafit auf Papier, 1959
45 x 61 cm
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Günter Brus
* 1938 in Ardning, A


Günter Brus gilt als Pionier der Body Art, als derjenige, der den Körper als ausschließliches Ausdrucksmedium in die Kunst eingeführt hat. Im „Anschlussjahr“ 1938 geboren, sieht er als Kind noch „rennende und brennende Menschen“ und „Flammen- und Rauchsäulen“. Sein früh erkanntes zeichnerisches Talent ermöglicht ihm den Besuch der Kunstgewerbeschule in Graz, deren ausgezeichneter Abschluss ihm wiederum den Weg in die Akademie für angewandte Kunst in Wien ebnet.

Als Brus 1958 nach Wien geht, sieht er das erste Mal Werke des österreichischen Frühexpressionismus, die einen tiefen Eindruck in ihm hinterlassen. Gemeinsam mit seinem Studienkollegen Alfons Schilling fährt er 1960 nach Mallorca, wo er Arbeiten des abstrakten Expressionismus kennenlernt. Die explosive Energie des Informel eröffnet ihm eine Perspektive, die starren Konventionen und den engen Rahmen der Tafelmalerei zu sprengen. Er will das Zentrum der Malerei ausschalten und Bilder malen, die manifestiertes „Stampfen, Schreien und Pfauchen“ sind.

Im Zuge der Reflexion des körperintensiven Malprozesses kommt es zur entscheidenden Akzentverschiebung vom fertiggestellten Objekt zum ephemeren Geschehen im Raum, das schließlich mit Foto und Film dokumentiert wird. Für seine erste Aktion ANA bemalt Brus 1964 den gesamten Raum und alle Gegenstände weiß und erweitert die klassische Leinwand ins Dreidimensionale. In der Absicht, ein Tableau vivant herzustellen, malt er sukzessive zuerst die Gegenstände, dann das Modell und schließlich sich selbst schwarz an. Peter Weibel hat diese Entwicklung von der Aktionsmalerei zur Aktion konzise auf den Punkt gebracht: „Aktion auf der Leinwand, Aktion vor der Leinwand, Aktion ohne Leinwand.“

Im Informel findet sich der Körper noch als sinnlich-dynamische Spur auf der Leinwand, in der Selbstbemalung werden Körper und Gemälde eins. Der weiße Kopf des Künstlers vor weißem Hintergrund wird von einer schwarzen Linie geteilt und mit scharfen Gegenständen wie Messer, Degen, Axt und Schere konfrontiert. Die zuckende Linie symbolisiert die Verletzung, den Schnitt, die Wunde, das Aufbrechen des Selbst. Am 5. Juli 1965 geht Brus weiß bemalt und mit jenem schwarzen, zuckenden Strich gleichsam längs geteilt als lebendes Bild vom Heldenplatz in Richtung Stephansplatz. Bereits auf halbem Weg wird er von einem Polizisten angehalten und in die nahe gelegene Wachstube geführt. Wegen „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ erhält er eine Verwaltungsstrafe von 80 Schilling.

Im Lauf des Jahres 1967 entwickelt Brus sein Konzept der „Körperanalysen“, bei dem er elementare existenzielle Erfahrungen thematisiert. Brus verzichtet auf jegliches künstlerisches Material und agiert ausschließlich mit seinem Körper und dessen Funktionen: „Mein Körper ist die Absicht, mein Körper ist das Ereignis, mein Körper ist das Ergebnis.“
Am 7. Juni 1968 führt er im Hörsaal 1 der Wiener Universität im Rahmen der Veranstaltung „Kunst und Revolution“ eine seiner Körperanalysen durch. Es kommt zum Skandal und zur Anklage, in deren Folge Brus zur Höchststrafe von sechs Monaten „strengem Arrest“ verurteilt wird. „Herabwürdigung österreichischer Symbole“ und „Verletzung der Sittlichkeit und Schamhaftigkeit“ lauten die Begründungen.

Nach Aufforderung von Gerhard Rühm flieht er mit seiner Frau Anna und der zweijährigen Tochter Diana unverzüglich nach Berlin.  In Deutschland führt er mit der Zerreißprobe 1970 in München seine letzte Aktion durch und überwindet die Selbstverletzung des Körpers, doch hält eine körperorientierte, autoaggressive Motivwelt Einzug in sein zeichnerisches Werk. Das Ende seiner performativen Phase führt ihn zurück ins Medium der Zeichnung, oder wie Brus es 1975 selbst zum Ausdruck brachte: „Der Strich gilt für den Schnitt ins Herz. Deshalb ist Zeichnen Geburt aus der Auslöschung.“

In den 1970er-Jahren kombiniert Brus seine Zeichnungen mit seinem literarischen Schaffen und prägt damit den Begriff der „Bild-Dichtung“, womit keine bloße Illustration gemeint ist, sondern ein Aufeinandertreffen von Bildhaftem und Textlichem, ohne aber zwangsläufig eine gegenseitige Abhängigkeit zu bedingen. Der Text gibt keine Erklärungen zum Bild ab, doch ist er reich an sprachlichen Bildern und Metaphern – die Zeichnung stellt keine Illustration des Geschriebenen dar, obgleich in ihr ebenso poetisch erzählt wird. „Ich wollte mir die Sprache vom Leib weg schreiben“, schreibt Brus Jahre später in seinen theoretischen Poesien Nach uns die Malflut! und betont damit nicht nur den Zusammenhang zwischen seinen Körperanalysen und seiner Dichtkunst, sondern verweist indirekt auch auf den aktionsartigen Arbeitsprozess, den er sich bewahrt hat.Mit der Bild-Dichtung hat Brus jene poetische Sphäre gefunden, in der er seit 40 Jahren medienübergreifend arbeitet.

Nachdem seine Haft- in eine Geldstrafe umgewandelt worden ist, kehrt Brus mit seiner Familie 1979 zurück in die Steiermark. Der wohlverdiente Erfolg stellt sich ein und während er wie ein Obsessiver jedes Jahr rund tausend Zeichnungen anfertigt, erhält er retrospektive Ausstellungen in Bern, London, Luzern, Amsterdam, Paris und schließlich 1986 auch in Wien. Zehn Jahre später verleiht man ihm in Anerkennung für seine künstlerischen Verdienste den österreichischen Staatspreis. Der viel geschmähte wird zu einem viel geschmückten – oder wie es Brus es selbst doppeldeutig formuliert hat: „Ich habe mich ausgezeichnet.“ (Quelle: BRUSEUM -  Neue Galerie Graz)

 

Über seine neue Arbeiten 

(Text anlässlich der Ausstellung "Ich war einmal ein Baum" 2021 in der Galerie Sommer)

Günter Brus hat schon vor über einer Dekade verkündet, dass er sich ausgezeichnet hat und damit in gewohnt doppeldeutiger Weise zum Ausdruck gebracht, dass er einerseits zum Rezipienten zahlreicher Ehrungen und Preise geworden ist und sich andererseits bei ihm auch das Gefühl eingestellt hat, dass er sich leergezeichnet hat. Bei einem Oeuvre von über 30.000 Zeichnungen ist dies durchaus nachvollziehbar. Als „Einfachbegabter, der doppelt sich äußert“ (Brus) hat er sich seither fast ausschließlich dem Schreiben gewidmet, das er in guter österreichischer Tradition vornehmlich in Cafés und anderen Lokalen betreibt.
Als am 16. März 2020 der erste Lockdown in Österreich in Kraft trat, wurden nicht nur sämtliche Bars, Cafés und Restaurants in Österreich geschlossen, sondern eine allgemeine Ausgangsbeschränkung wurde wirksam. Das Betreten öffentlicher Orte war nur mehr in Ausnahmefällen erlaubt. Von einem Tag auf den anderen sollte der Künstler sein Refugium nicht mehr verlassen und durfte auch nicht mehr in jene Etablissements, die zentrale Schaffensstätten seiner Literatur sind. Was tun? Günter Brus kehrte wieder in sein Atelier zurück und begann zu zeichnen. Der Obsession seines Wesens entsprechend, entstanden dabei nicht nur einige Blätter, sondern alleine im Jahre 2020 hat der Künstler rund 800 Zeichnungen mit Tusche und Wasserfarben angefertigt. Das Zurückgeworfensein auf seine unmittelbare Umgebung, das Ausharren im eigenen Heim, das Gefühl des Festsitzens haben zu einer neuen Schaffensblüte geführt, mit der wohl niemand mehr gerechnet hat, am allerwenigsten wohl der Künstler selbst.

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